Konformitätsbewertungsverfahren Medizinprodukte

In der faszinierenden Welt der Medizinprodukte spielt die Sicherheit und Qualität eine entscheidende Rolle, und die Konformitätsbewertung ist der Schlüssel, um sicherzustellen, dass diese Anforderungen erfüllt werden. Medizinprodukte umfassen eine breite Palette von Produkten, die in der Diagnose, Behandlung und Überwachung von Patienten eingesetzt werden, wie zum Beispiel Implantate, Diagnosegeräte, Prothesen und medizinische Software.

Die Konformitätsbewertung ist ein Verfahren, das von den Herstellern durchgeführt wird, um sicherzustellen, dass ihre Medizinprodukte den geltenden gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Dabei werden verschiedene Aspekte wie Qualität, Sicherheit und Leistung des Produkts bewertet. Die Ergebnisse der Konformitätsbewertung dienen als Grundlage für die CE-Kennzeichnung, die das Produkt als konform mit den relevanten europäischen Vorschriften kennzeichnet und den Marktzugang ermöglicht.

Konformitätsbewertungsverfahren Medizinprodukte

Rechtliche Rahmenbedingungen

Die Konformitätsbewertungsverfahren von Medizinprodukten sind durch rechtliche Rahmenbedingungen geregelt, die sicherstellen sollen, dass diese Produkte den hohen Sicherheits- und Leistungsstandards entsprechen. Eine der wichtigsten Rechtsgrundlagen für die Konformitätsbewertung von Medizinprodukten in der Europäischen Union (EU) ist die EU-Medizinprodukteverordnung (Medical Device Regulation – MDR).

Die MDR wurde entwickelt, um die vorherige Richtlinie über Medizinprodukte (Medical Device Directive – MDD) zu ersetzen und die Regularien an die technologischen und wissenschaftlichen Fortschritte anzupassen. Sie trat am 26. Mai 2021 in Kraft und gilt verbindlich für alle Mitgliedstaaten der EU. Die MDR legt die Anforderungen an die Herstellung, Kennzeichnung, Konformitätsbewertung und das Inverkehrbringen von Medizinprodukten fest.

Ein zentraler Aspekt der MDR ist die Klassifizierung von Medizinprodukten. Basierend auf dem Risikopotenzial für Patienten und Benutzer werden Medizinprodukte in vier Klassen eingeteilt: Klasse I, Klasse IIa, Klasse IIb und Klasse III. Je höher die Risikoklasse, desto strenger sind die Anforderungen an die Konformitätsbewertungsverfahren.

Für Medizinprodukte der Klasse I, die ein niedriges Risikopotenzial aufweisen, ist in der Regel keine Bewertung durch eine benannte Stelle erforderlich. Der Hersteller kann eine eigenständige Konformitätserklärung abgeben und das Produkt mit der CE-Kennzeichnung versehen.

Für Medizinprodukte der Klasse IIa, IIb und III hingegen müssen Konformitätsbewertungsverfahren durch eine benannte Stelle durchgeführt werden. Diese unabhängigen Einrichtungen überprüfen die technischen Unterlagen, führen Prüfungen und Bewertungen durch, um sicherzustellen, dass die Produkte die geltenden Anforderungen erfüllen. Bei Produkten der Klasse III sind zusätzlich klinische Bewertungen und klinische Prüfungen erforderlich.

Die MDR legt auch Anforderungen an die technische Dokumentation fest, die der Hersteller erstellen und aufbewahren muss. Diese umfasst Informationen zur Gestaltung, Herstellung und Leistung des Medizinprodukts sowie zur Sicherheit und Wirksamkeit. Zudem muss der Hersteller ein Qualitätsmanagementsystem implementieren, um die Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen sicherzustellen.

Qualitätsmanagement QDC (QMS)

Was ist die IVDR?

Die IVDR steht für „In Vitro Diagnostic Medical Devices Regulation“ und ist eine EU-Verordnung, die die Konformitätsbewertung und das Inverkehrbringen von In-vitro-Diagnostika regelt. In-vitro-Diagnostika sind medizinische Geräte, die ausserhalb des Körpers Proben analysieren, um medizinische Informationen zu liefern.

Die IVDR und die MDR (Medical Device Regulation) ähneln sich in gewisser Hinsicht, da sie beide Verordnungen sind, die das Konformitätsbewertungsverfahren für Medizinprodukte regeln. Sie haben ähnliche Zielsetzungen, nämlich die Sicherheit, Qualität und Leistungsfähigkeit von Medizinprodukten zu gewährleisten und das Vertrauen der Verbraucher zu stärken.

Die IVDR und die MDR weisen jedoch auch einige Unterschiede auf, da sie für unterschiedliche Arten von Medizinprodukten gelten. Während die MDR für eine breite Palette von Medizinprodukten gilt, wie beispielsweise Implantate, Diagnosegeräte und medizinische Software, ist die IVDR speziell auf In-vitro-Diagnostika ausgerichtet.

Trotz dieser Unterschiede gibt es einige Gemeinsamkeiten zwischen der IVDR und der MDR. Beide Verordnungen legen die Anforderungen an die Konformitätsbewertung fest, einschliesslich der Klassifizierung von Produkten, der Erstellung einer technischen Dokumentation, der Überprüfung durch benannte Stellen und der Implementierung eines Qualitätsmanagementsystems. Darüber hinaus betonen sowohl die IVDR als auch die MDR die Bedeutung der Post-Market Surveillance, um sicherzustellen, dass die Produkte auch nach dem Inverkehrbringen sicher und wirksam bleiben.

III. Konformitätsbewertungsverfahren im Detail

Die Konformitätsbewertungsverfahren für Medizinprodukte bieten den Herstellern verschiedene Möglichkeiten, je nach Risikoklasse des Produkts das geeignete Verfahren auszuwählen.

  1. Errichtung eines vollständigen Qualitätsmanagementsystems (QMS) und Zertifizierung:

    Der Hersteller richtet ein umfassendes Qualitätsmanagementsystem gemäss den Anforderungen der ISO 13485 und dem Anhang der jeweiligen Verordnung ein. Dieses QMS dient als Grundlage für die Gewährleistung der Qualität und Sicherheit des Medizinprodukts. (Anhang IX)

  2. Erstellung der technischen Dokumentation und Erklärung der Konformität:

    Der Hersteller erstellt eine ausführliche technische Dokumentation, die alle relevanten Informationen zum Medizinprodukt enthält. Diese Dokumentation dient als Nachweis für die Konformität mit den geltenden Vorschriften. (Anhang IV)

  3. Prüfung des Baumusters durch eine Benannte Stelle:

    Je nach Risikoklasse des Medizinprodukts kann eine unabhängige Benannte Stelle das Baumuster des Produkts prüfen. Dabei werden verschiedene Aspekte wie Design, Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität des Produkts überprüft. (Anhang X)

  4. Errichtung eines Qualitätsmanagementsystems für die Produktion:

    Der Hersteller implementiert ein spezifisches Qualitätsmanagementsystem für die Produktion des Medizinprodukts. Dieses System stellt sicher, dass während des Herstellungsprozesses die definierten Qualitätsstandards eingehalten werden. (Anhang XI Abschnitt A)

  5. Prüfung jedes produzierten Produkts durch eine Benannte Stelle:

    Abhängig von der Risikoklasse des Medizinprodukts kann eine Benannte Stelle eine Überprüfung jedes einzelnen produzierten Produkts durchführen. Dies dient dazu, sicherzustellen, dass die hergestellten Produkte den festgelegten Anforderungen entsprechen. (Anhang XI Abschnitt B)

Die genannten Schritte sind Beispiele für mögliche Konformitätsbewertungsverfahren, die je nach Risikoklasse und Art des Medizinprodukts variieren können. Die Auswahl des geeigneten Verfahrens liegt in der Verantwortung des Herstellers, der sicherstellen muss, dass alle Anforderungen und Vorschriften erfüllt werden, um die Konformität des Produkts zu gewährleisten und die erforderlichen Zertifizierungen zu erhalten, bevor das Produkt auf dem Markt in den Verkehr gebracht werden kann.

In sieben Schritten zum CE-Zeichen

Konformitätsbewertungsverfahren Medizinprodukte

Um das CE-Zeichen zu erhalten, müssen Hersteller sieben Schritte im Konformitätsbewertungsverfahren durchlaufen:

  1. Festlegung der Zweckbestimmung des Produkts
  2. Ermittlung der anwendbaren EU-Verordnung (MDR, IVDR)
  3. Bestimmung der Klasse des Produkts
  4. Auswahl eines geeigneten Konformitätsbewertungsverfahrens
  5. Etablierung eines Qualitätsmanagementsystems
  6. Produktentwicklung
  7. Erklärung der Konformität und Anbringung des CE-Kennzeichens

Fazit

Die Konformitätsbewertungsverfahren für Medizinprodukte sind das Fundament für Sicherheit, Qualität und Leistungsfähigkeit. Mit dem CE-Zeichen können Hersteller ihre Produkte gemäß den rechtlichen Vorgaben, wie MDR und IVDR, auf den Markt bringen.

Von der Festlegung der Zweckbestimmung bis zur CE-Kennzeichnung durchlaufen Hersteller verschiedene Schritte. Dabei wählen sie passende Konformitätsbewertungsverfahren, etablieren ein Qualitätsmanagementsystem und entwickeln ihre Produkte gemäss den Anforderungen.

Die sorgfältige Durchführung der Verfahren ist essenziell, um Vertrauen bei Patienten, Fachleuten und der Öffentlichkeit zu schaffen. Die Konformitätsbewertung gewährleistet höchste Qualitätsstandards und sichert die sichere Anwendung der Medizinprodukte.

Angesichts des technologischen Fortschritts werden die Verfahren kontinuierlich überprüft und aktualisiert. Hersteller sollten sich stets über aktuelle rechtliche Bestimmungen informieren und ihre Verfahren entsprechend anpassen.

Letztendlich sind die Konformitätsbewertungsverfahren unverzichtbar, um Sicherheit, Qualität und Leistungsfähigkeit von Medizinprodukten zu gewährleisten. Sie tragen massgeblich zur Patientensicherheit und zum Vertrauen in die medizinische Technologie bei.

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